Studienzugang Unfaire Noten: Deutsche Unis bewerten zu gut

bundestag Unter der guten Bewertungen deutscher Unis leidet nicht nur die Vergleichbarkeit der einzelen Fächer, sondern auch heimische Studierenede, denen Nachteile im Wettbewerb entstehen. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de ➧

Im Nachbarland Deutschland wird zu gönnerhaft bewertet – das bemängelt der Deutsche Wissenschaftsrat. Benachteiligt werden durch die guten Noten auch Studenten anderer Länder, die bei Bewerbungen auf Jobs und Masterstudiengänge nicht mithalten können.

In der deutschen Hochschullandschaft werden zu viele gute Noten vergeben, befindet der Wissenschaftsrat in einem Bericht. Das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland stütze sich bei seinem Urteil dabei auf eine Analyse von Examensnoten aller Fachrichtungen. Demnach hätten etwa 80 Prozent der Studenten in Deutschland im vergangenen Jahr ihr Studium mit der Note „gut“ oder „sehr gut“ abgeschlossen – das seien deutlich mehr als noch vor zehn Jahren. Während sich die Zensuren an Universitäten, Fachhochschulen und anderen staatlich anerkannten Hochschulen in den letzten Jahren deutlich verbessert hätten, sei das Risiko, die schlechteste Note „ausreichend“ zu erhalten, stark gesunken.

Keine Vergleichbarkeit zwischen Studienfächern

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Wolfgang Marquardt, äußerte sich bezüglich der Entwicklung besorgt. Der Trend zu besseren Noten dürfe nicht fortgeführt werden, so Marquardt. Der Bericht des Wissenschaftsrates stelle Anzeichen für eine „schleichende Noteninflation“ fest, was dazu führe, dass in den meisten Fächern die Notenskala kaum noch ausgeschöpft werde und Unterschiede oft „nur noch hinter dem Komma gemacht“ würden, kritisiert Marquardt weiter. Besonders auf Fächer wie Biologie treffe dies zu, wo beinahe mit 98 Prozent alle Absolventen mit einer Note besser als „befriedigend“ abschneiden. Ebenfalls sehr gute Abschlussnoten haben dem Bericht zufolge außerdem Naturwissenschaftler in den Bereichen Mathematik, Physik, Psychologie und Chemie sowie Geschichtsabsolventen. Weniger gut sieht es hingegen in anderen Fächern aus: Die Bestnoten „sehr gut“ und „gut“ sind bei Juristen traditionell kaum zu finden – nur sieben Prozent schneiden besser als „befriedigend“ ab. Ähnlich steht es für Human- und Tiermediziner.

Auch bundesweite und internationale Vergleichbarkeit ist streitbar

Kritisiert werden im Bericht des Wissenschaftler-Gremiums zudem die großen Notenunterschiede zwischen den einzelnen Hochschulen. Der Schnitt unterscheide sich in ein und demselben Fach je nach Universität oder Fachhochschule um mehr als eine Notenstufe. So habe ein Germanistik-Student in Gießen bei einem Schnitt von 1,6 eine deutlich bessere Chance auf eine gute Note gehabt als an der Berliner Humboldt-Universität mit 2,2.
Eine faire bundesweite Bewertung der Studienleistung sei damit nicht gewährleistet, so der Wissenschaftsrat. Arbeitgeber könnten die Noten so schlecht vergleichen. Und auch bei Bachelor-Absolventen, die einen Platz für ein Masterstudium in der Regel nur mit guten Noten erhalten, spiele dies eine große Rolle.
Aber nicht nur im deutschen Inland leiden viele Studenten unter der ungleichen Notengebung, auch hierzulande bewerben sich viele Deutsche beispielsweise auf einen Masterstudienplatz. Eigentlich sollte die Einführung von Bachelor und Master eine internationale Vergleichbarkeit schaffen. Wenn aber schon im Land selber derartige Unterschiede herrschen, ist die europa- und weltweiteweite Vergleichbarkeit erst recht anzuzweifeln.

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