Studienbedingungen leiden unter hoher Anzahl an Neuzugängen

Student im Labor Insbesondere an der Uni Wien und an der Uni Graz fehlen zahlreiche Laborplätze für den Studiengang Pharmazie. Foto: Michael Bührke / pixelio.de ➧

Studium in Österreich – hier klaffen Theorie und Realität weit auseinander. Zu wenige Studienplätze stehen zu vielen Studenten gegenüber, in manchen Studiengängen müssen zwei- bis dreimal so viele Plätze vergeben werden, wie eigentlich vorhanden sind. Diese Schieflage an den österreichischen Unis scheint die Bundesregierung allerdings nicht zu beachten.

Kürzlich wurde von der Bundesregierung die Mindeststudierendenzahl für das Wintersemester 2013 bestimmt. Die Unis nahmen diese mit gemischten Gefühlen auf, denn als Grundlage für die Berechnung dienten die Zahlen des vergangenen Jahres, die allerdings weit von der Wirklichkeit entfernt sind. Zahlreiche Studienrichtungen bieten nämlich keinen ausreichenden Platz für die zu erwartende Flut der Neustudenten. Unter anderem sind die Fachgebiete Architektur und Pharmazie davon betroffen.

Manche Unis müssen mehr als das Doppelte an Studenten aufnehmen

An der TU Wien etwa stehen für Architekturstudenten im kommenden Semester rund 470 Studienplätze zur Verfügung. Allerdings müsste die Universität laut der von der Regierung festgelegten Mindeststudierendenzahl 1.030 Studienanfänger aufnehmen. Das ist fast das Dreifache und sprenge deutlich den Rahmen der vorhandenen Kapazitäten, so Adalbert Prechtl, Vizerektor der TU Wien.

Die gleichen Probleme vermeldet die Uni Wien: Alleine in Ernährungswissenschaften kommen mit Beginn des neuen Semesters neben vier bis fünf Habilitierten etwa 700 Studienanfänger hinzu, falls die vorgegebenen Mindestzahlen erreicht werden sollen. Im Fachbereich Pharmazie herrscht bereits seit längerem ein Engpass, hier sind hauptsächlich die Laborplätze knapp. Pro Semester sind 150 Plätze vorhanden, die Zahl der Studienanfänger beläuft sich hingegen auf 700.

Auch an der Uni Graz kommen auf 80 Laborplätze für den Studiengang Pharmazie 390 neue Studenten, die dann zum Großteil auf einer Warteliste landen. Zwar soll bis zum Herbst die Zahl der Plätze im Labor auf 100 erweitert werden, ausreichen wird dies allerdings nicht. Zu beachten sind ebenfalls die Vorschriften zur Arbeitssicherheit, denn die Arbeit mit Chemikalien erfordert große Sorgfalt, weshalb sich Rudolf Bauer als Leiter des Instituts für Pharmazeutische Wissenschaften für wirksame Zwangszugangsbeschränkungen ausspricht.

Bessere Studienbedingungen wird es unter diesen Voraussetzungen nicht geben

Angesichts der Lage an den Hochschulen werde es laut der Vize-Rektorin der Uni Wien, Christa Schnabl, vorerst keine besseren Studienbedingungen geben. Die Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP) soll vermehrt eine wichtige Rolle bei der Selektion der Studenten sein. Kommt es zu einer Überschreitung der Mindeststudierendenzahl, werden in den jeweiligen Studienrichtungen Aufnahmetests durchgeführt. Ein Bestehen des Tests garantiert aber keinesfalls eine gute Betreuung, denn aufgrund des Mangels an Lehrpersonal und Platz ist dies schlichtweg nicht realisierbar. Somit bleibt fraglich, wem mit dem System der Mindeststudierendenzahl tatsächlich geholfen wird und ob hier nicht eine Neuberechnung bzw. eine Neuregelung der Finanzierungsfrage nötig wäre.

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