Freie Fächerwahl Module statt freier Wahl?

Uni Wien Die Uni Wien ist für die Beibehaltung ihres bisherigen Systems und unterstützt die Studentenschaft in ihrer Auffassung. Foto: housymomo / pixelio.de ➧

Eine immer stärkere Regulierung der Studienpläne in den vergangenen Jahren führte zu einer Verminderung bei den freien Wahlfächern oder gar zu deren Abschaffung. Derzeit erfolgt ein Umdenken und es sollen wieder mehr Wahlfächer zur Verfügung stehen.

Bisher konnten die Unis mit den freien Wahlfächern nach eigenem Gutdünken umgehen. Diese blieben von den Veränderungen des letzten Jahrzehnts nahezu unangetastet. Zudem waren sie nach wie vor frei wählbar. Einzig die Uni Wien ging einen anderen Weg. Im Jahre 2008 erfolgte dort die Einführung der sogenannten Erweiterungscurricula (EC). Den Studierenden stehen seitdem vorgefertigte Module à 15 oder 30 ECTS zur Auswahl. Freie Wahlfächer wurden im Bachelorstudium komplett abgeschafft. Dafür gibt es nun zwei oder drei ECs mit Pflichtfächern. Das sieht die Hochschülerschaft kritisch. Sie spricht von einer Gefahr für die Wahlfreiheit durch die EC. Inzwischen ruderte die Uni Wien zurück. Man schaffte 2010 freie Wahlfächer, die maximal 15 ECTS abseits der ECs gestatten. Die Belegung derselben setzt aber die Erlaubnis der jeweiligen Studienprogrammleitung voraus.

Ablehnung von ECs an anderen Unis

Die Universitäten in Innsbruck und Linz sowie die Wirtschafts-Uni Wien sind gegen ECs. An der Uni Graz besteht ein Modulangebot auf freiwilliger Basis. Teilnehmer erhalten nach erfolgreicher Absolvierung der Module ein Zertifikat. Die Uni Wien argumentiert für ihr System: Durch ECs werde neben der üblichen Grundausbildung eine spezifische Weiterbildung ermöglicht. Studierende sind einem starren Studienplan nicht unbedingt abgeneigt. Das fand Hochschulforscher Martin Unger vom Institut für Höhere Studien heraus. Man könnte die ECs wie ein Serviceangebot für die Studierenden betrachten. Die Uni Wien unterstützt ihre Studierenden etwa durch die Nennung von Beispielen, welche Verbindung von Basisstudium und EC sich vorteilhaft auf das spätere Berufsleben auswirken kann.

Trend geht zu mehr Wahlfreiheit im Studium

Die von der Uni Wien genannten Fakten haben eins gemeinsam: Sie könnten sich als nützliche Verhandlungsargumente in Bezug auf finanzielle Mittel bei den Leistungsvereinbarungen herausstellen. Immerhin entsprechen Studenten, die schneller ihren Abschluss erlangen und gut auf den Beruf vorbereitet sind, genau der Zielsetzung der seit zehn Jahren laufenden Uni-Reformen. Ergeben sich für die Uni Wien Vorteile aus den ECs, ist es nach Ansicht der Studentenvertreter wahrscheinlich, dass andere Hochschulen bald folgen. Gleichzeitig könnte sich aber auch eine gegenteilige Entwicklung ergeben. Unger und ÖH stellen eher einen Trend zur Deregulierung fest. Mehr Wahlfreiheit im Studium sei notwendig.

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