Zu viele Studenten TU Wien zieht Reißleine: beschränkte Studienplätze für angehende Informatiker

Laptop TU Wien beschränkt Zugang zum Informatik-Studium. Foto: Corinna Dumat / pixelio.de ➧

Die Informatik-Fakultät der Technischen Universität (TU) Wien kürzt die Studienplätze für Informatikstudenten. Grund sei die Angst, dass die Qualität in Lehre und Forschung unter den immer knapper werdenden Fördergeldern leidet.

An der Informatik-Fakultät der Technischen Universität Wien wird es ab kommenden Herbst nur noch 420 Informatik-Studienanfänger geben, falls der Staat kein zusätzliches Budget in die Uni investiert. So sollen die Jung-Studenten nach einem Monat in jeder Lehrveranstaltung über den Stoff aus den ersten vier Wochen geprüft werden. Die Studenten, die diese Tests positiv absolvieren, dürfen dann mit dem praktischen Teil beginnen. Alle anderen werden von dem Praxissemester ausgeschlossen und dürfen den Studiengang nicht weiter studieren.

Harte Maßnahmen, die die TU Wien einzuführen scheint. Doch der Dekan Gerald Steinhardt gibt an, dass das System kurz vor einem Kollaps steht. Nur dank des großen Engagements der Lehrenden sowie die hohe Flexibilität und das Verständnis der Studierenden haben bisher Betrieb überhaupt ermöglicht. Doch auch andere Universitäten versuchen, das Problem des Platzmangels zu lösen. So existiert an der Uni Wien ein System, bei dem Studenten Punkte auf Lehrveranstaltungen verteilen müssen und nur jene mit den meisten Punkten einen Platz bekommen.

Die permanente Überbelastung der Lehrenden ist jedoch seit Jahren gegeben. So müssen die Dozenten und Professoren der TU Wien mehr als die Hälfte aller Informatik Studenten ausbilden. Dabei wird das Informatikstudium in Österreich an sechs weiteren Standorten des Landes angeboten. Hier muss nun laut Dekan Steinharst das Wissenschaftsministerium eine geeignete Lösung zur Problematik finden. Eine Forderung lautet dabei, per Gesetz die Universitäten des Landes mit ausreichend finanziellen Mitteln zu versorgen.

Zieht man den Vergleich zu anderen Informatikfakultäten, hat Österreich mit seinen 8.000 Studenten an den sieben Instituten dreimal mehr Studierende als die internationalen Unis. Die mehr als 1.000 Studienanfänger pro Jahr binden einen großen Teil der Lehrressourcen. Bisher hat die Fakultät versucht, durch Studieninformationsveranstaltungen die Studentenströme besser zu lenken, zudem sollten auch Studieneingangsgespräche seit dem Sommersemester 2011 die Studenten-Massen bändigen. Doch um die Qualität in Lehre und Forschung sicherzustellen, müssten rund 180 Lehrende mehr eingestellt werden. Der IT-Fachkräftemangel in Österreich bewirkt zudem, dass Studenten noch während des Studiums von Wirtschaft und Industrie abgeworben werden. Auch durch Forschungsprojektgelder aus Industrie, Wirtschaft und unabhängigen Forschungsförderungsinstituten kann die seit Jahren bestehende Unterfinanzierung nicht aufgefangen werden.

Die Fakultät wirbt nun im Rahmen der Initiative „Schlüsseltechnologie Informatik“ um konkrete finanzielle Unterstützung, da in der jetzigen Situation jeder Euro hilft. So sollen Unternehmen künftig Studienpatenschaften übernehmen, dabei können diese bis zu 20.000 Euro investieren. Mithilfe dieser Unterstützung sollen mehr Studenten unter guten Lernbedingungen studieren können.

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