Dissertation an der Uni Innsbruck gerät ins Visier von Plagiatsjägern

Universität Innsbruck Überprüfung einer Dissertation an der Universität Innsbruck. Foto: moe_ / flickr.com / CC BY 2.0 ➧

Erstmals ist jetzt eine Dissertation aus Österreich ins Visier der Plagiatsjäger „Vroniplag“ gelangt. Eine rechtswissenschaftliche Dissertation aus dem Jahr 2002, die von der Universität Innsbruck angenommen worden war, soll in erheblichem Umfang Text aus nicht ausgewiesenen Quellen enthalten.

Wie der Plagiatsgutachter Stefan Weber in seinem Blog berichtet, wurden bisher knapp zwanzig Prozent der Arbeit untersucht. Schätzungsweise ein Fünftel der untersuchten Seiten soll aus Plagiatstext bestehen. 17 Seiten enthalten nach Ansicht der Plagiatsjäger zu mehr als 75 Prozent Plagiatstexte, bei neun Seiten soll sogar mehr als die Hälfte abgeschrieben worden sein. Der Verfasser der Arbeit ist inzwischen Professor an der Hochschule Heilbronn.

Es ist offensichtlich nicht der erste Fall von Dissertationen der Uni Innsbruck, der untersucht wird, denn die Universität Innsbruck belegt den ersten Platz bei der „Plagiatshitparade.“Für Weber sei die Universität „ein Fall für den Korruptionsstaatsanwalt“ – ein harscher Vorwurf, den die Uni seiner Meinung nach wegen ihres Umgangs mit Plagiatsvorwürfen in der Vergangenheit verdient hat.

Uni Innsbruck lehnt Stellungnahme derzeit ab

Die Uni Innsbruck verweigert mit dem Verweis auf das Amtsgeheimnis eine Stellungnahme zum konkreten Fall. Prinzipiell sei es aber so, dass in den Fällen, wo die Behörde über Plagiatsvorwürfe informiert wird, auch ein Prüfungsverfahren eingeleitet wird. Webers Vorwürfe weist der Sprecher der Uni zurück. Jedem Fall würde nachgegangen werden bis er schließlich auf der Basis eines meist extern vergebenen Gutachtens bewertet wird. Die Universität werde durch ihre Rechtsabteilung klären lassen, ob gegen die Vorwürfe von Weber juristisch vorgegangen werden könne.

Vroniplag – eine ernstzunehmende Gefahr für prominente Träger eines Doktorgrades

Vroniplag hat in Deutschland schon einige Dissertationen „gekippt“. So wurde die Dissertation von Veronica Saß, Tochter von CSU-Chef Edmund Stoiber, untersucht und es wurde nachgewiesen, dass in erheblichem Umfang Textpassagen ohne Quellenangabe übernommen wurden. Saß wurde der Doktortitel inzwischen aberkannt. Auch die Arbeit ihres Bruders Dominic Stoiber wird bereits seit 2011 von der Universität Innsbruck wegen Plagiatsvorwürfen überprüft, wie ein Sprecher der Uni bestätigte.

Auch bei den Dissertationen der FDP-Politikerinnen Silvana Koch-Merin und Margarita Mathiopoulos sowie der ehemaligen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) erwies sich Vroniplag als „erfolgreich“. Neben diesen prominenten Täuschungsversuchen sind aber noch weitere Fälle bekannt, bei denen die Untersuchungen von Vroniplag schließlich zur Aberkennung von Doktortiteln führten. Das Internet ist offenbar eine echte Gefahr für unrechtmäßig erworbene Titel.

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