Ausbildung Express – Lehre gegen den Fachkräfte-Mangel?

Friseur Mit der Expresslehre gegen den Fachkräftemangel? Foto: Grey59 / pixelio.de ➧

Der Fachkräftemangel weitet sich immer mehr aus. Um dem entgegenzuwirken, machte Wirtschaftskammer – Präsident Christoph Leitl den Vorschlag zur Schaffung einer einjährigen Kurzlehre für Maturanten. Das führte zu unterschiedlichen Reaktionen.

Der Arbeitsmarktsprecher des Österreichischen Gewerkschaftsbundes Rudolf Kaske äußerte gegenüber dem Ö1-„Morgenjournal“, dass es nicht wünschenswert sei, einen Maturanten für eine geringe Lehrlingsentschädigung ins Berufsleben eintreten zu lassen. Ferner könne sich ein Maturant in einem Jahr nicht das Wissen aneignen, welches ein Lehrling in drei Jahren vermittelt bekommt.

Zudem wäre auch zu klären, wie die Bezahlung erfolgen solle. Erhält der AHS-Absolvent die Entlohnung eines Nicht-Maturanten oder bestehe bei den ausbildenden Betrieben die Bereitschaft, mehr zu zahlen? Der Vorschlag von Leitl eignet sich nach Meinung von Kaske bezüglich des Mangels an Fachkräften höchstens als Lösung an zweiter oder dritter Stelle. Die duale Ausbildung in den Betrieben ist die beste Variante. Eventuell wäre ein Lehrjahr nach der Matura eine Ergänzung, allerdings würde dies nur auf ganz wenige Lehrberufe zutreffen. Man könne gewisse praktische Fertigkeiten einfach nicht in einem Jahr erlernen.

Weitere kritische Stimmen werden laut

Mit einem intensiven Praxisjahr für Maturanten kann sich Fritz Amann als Bundesobmann vom Ring freiheitlicher Wirtschaftstreibender ebenso wenig anfreunden. Er bezeichnet bereits die Idee dieser „Express – Lehre“ als einen „Bärendienst“ an der bewährten österreichischen Ausbildung im dualen System. Damit erfolge eine weitere Entwertung des Images der Lehre. Es müsse endlich Schluss sein mit der schrittweisen Aushungerung der Lehre.

Gegen den Reformvorschlag von Leitl regt sich bei der Jugendsektion der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) gleichfalls Kritik. Alle Berufsgruppen würden gewissermaßen über einen Kamm geschert. Im Zeitraum eines Jahres erhält der HTL – Absolvent mit der „Expresslehre“ eine Fachausbildung zum Friseur und die AHS-Maturantin wird zur Mechatronikerin. Dieser Vorstellung kann man bei der FCG – Jugend nichts abgewinnen.

Mitterlehner und Töchterle sind von der Idee angetan

Aber nicht jeder lehnt den Vorschlag ab. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner befürwortet Leitls Idee. Die Anregung sei positiv und interessant. Vor dem Ministerrat erklärte Mitterlehner, dass man in der Praxis diese allerdings mit Inhalten versehen müsse. Er könne sich bei vielen Berufen eine Umsetzung in die Praxis nur schwer vorstellen.

Wirtschaftsminister Karlheinz Töchterle spricht von einer zusätzlichen Aufwertung der Lehre und sieht darin eine interessante Option für diejenigen, die sich mit dem Gedanken tragen, nach der Matura eine kürzere Berufsausbildung zu absolvieren. Die verkürzte Lehre ist weiterhin in den Augen des ÖVP-Bildungssprechers Werner Amon „überaus sinnvoll“. Das Bildungssystem werde durchlässiger und man trete dem Fachkräftemangel wirkungsvoll entgegen.

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